Kluge Kinder brauchen die besten Lehrkräfte
13. Juli 2026
Podiumsdiskussion in Aachen zeigt: Die neue Lehrkräfteausbildung stärkt die Region – jetzt gilt es, Talente zu fördern und den Lehrkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen.

Aachen. Mit dem Start des Grundschullehramtsstudiums an der RWTH Aachen ist ein bedeutender Meilenstein für die Bildungsregion erreicht. Bei einer Veranstaltung der FDP-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen im Centre Charlemagne diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Hochschule, Schule und Handwerk darüber, welche Chancen das neue Studienangebot bietet und welche weiteren Schritte notwendig sind, um die Bildungsregion Aachen nachhaltig zu stärken.
Auf dem Podium diskutierten Franziska Müller-Rech MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie schul- und bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW, Dr. Werner Pfeil MdL, regionaler Abgeordneter der FDP-Landtagsfraktion NRW, Matthias Kürten, Vorsitzender des VBE Aachen, Univ.-Prof. Dr. ir. Dr. h.c. Joost-Pieter Katoen, Prorektor für Lehre der RWTH Aachen, sowie Yannic Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen.
Ein Meilenstein für die Bildungsregion
Auf dem Podium bestand große Einigkeit: Die Einführung des Grundschullehramtsstudiums an der RWTH Aachen ist ein großer Erfolg für die gesamte Region. Bereits zum Start des Wintersemesters gingen rund 700 Bewerbungen ein – ein eindrucksvoller Beleg für die Attraktivität des neuen Studiengangs. Bis zum Studienjahr 2029/30 rechnet die RWTH mit mehr als 350 Studierenden im Grundschullehramt. Positiv bewertet wurde zudem die enge Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal, die den erfolgreichen Aufbau des Studiengangs ermöglicht hat.
Für die StädteRegion Aachen eröffnet das neue Studienangebot große Chancen. Künftig können Grundschullehrkräfte direkt vor Ort ausgebildet werden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Studium in der Region bleiben und an den Schulen unterrichten. Dieser sogenannte „Klebeeffekt“ ist ein wichtiger Baustein, um dem Lehrkräftemangel langfristig entgegenzuwirken. Erste positive Entwicklungen sind bereits sichtbar: Grundschulen profitieren davon, dass Studierende frühzeitig mit Vertretungsverträgen praktische Erfahrungen sammeln und die Schulen unterstützen.
Die besten Köpfe für das Lehramt gewinnen
Neben den erfreulichen Entwicklungen wurde zugleich eine zentrale Herausforderung benannt: Bundesweit entscheiden sich immer weniger junge Menschen für ein Lehramtsstudium. Deshalb waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, dass der Lehrerberuf und die Ausbildung wieder attraktiver werden müssen.
Franziska Müller-Rech machte deutlich, dass der erfolgreiche Aufbau des Studiengangs erst der Anfang sei. Nun gelte es, mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern und den Lehrkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen. Gute Bildung beginne mit hervorragend ausgebildeten Lehrkräften.
Aus dem Publikum wurde dabei insbesondere die Bedeutung einer frühzeitigen Praxisphase hervorgehoben. Studierende berichteten von positiven Erfahrungen mit einer engen Einbindung in den Schulalltag bereits ab dem ersten Semester. Dies könne helfen, die Berufswahl frühzeitig zu bestätigen, Studienabbrüche zu vermeiden und die Ausbildung praxisnäher zu gestalten. Dieser Impuls wurde von den Podiumsteilnehmern mit großem Interesse aufgenommen.
Schule, Hochschule und Praxis enger vernetzen
Matthias Kürten vom VBE Aachen begrüßte die Einführung des Studiengangs ausdrücklich: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Besonders beeindrucke ihn, mit welchem Engagement die RWTH Aachen diese neue Aufgabe übernommen habe. Man spüre deutlich, dass hier nicht lediglich ein weiterer Studiengang geschaffen worden sei, sondern Verantwortung für die Bildungsregion übernommen werde.
Kürten sprach sich zugleich für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschule aus. Gemeinsame Projekte, Forschungskooperationen und regelmäßige Begegnungen zwischen Studierenden, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern könnten die Lehrkräfteausbildung weiter stärken. Als zukunftsweisende Idee regte er ein naturwissenschaftliches Schülerlabor für Grundschulen an der RWTH an, um Kinder bereits früh für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern.
Talente früh erkennen und fördern
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die individuelle Förderung der Fähigkeiten und Begabungen von Kindern. Yannic Schmitt warb dafür, handwerkliche Kompetenzen bereits in der Grundschule stärker in den Blick zu nehmen. Werkunterricht könne Kindern Erfolgserlebnisse vermitteln, Kreativität fördern und Selbstwirksamkeit erfahrbar machen.
Einigkeit bestand darüber, dass akademische und berufliche Bildung gleichwertig sind. Entscheidend sei nicht der Bildungsweg der Eltern, sondern dass jedes Kind entsprechend seiner Talente, Interessen und Fähigkeiten bestmöglich gefördert werde. Das Handwerk biete vielen jungen Menschen hervorragende Zukunftsperspektiven und verdiene deshalb bereits in der Schule deutlich mehr Aufmerksamkeit.
Auch die Frage der Schulreife wurde angesprochen. Die Diskussion machte deutlich, dass Sprachförderung allein nicht ausreicht. Ebenso wichtig sind soziale Kompetenzen, motorische Entwicklung und Selbstständigkeit der Kinder. Frühzeitige Förderung und passgenaue Unterstützung bleiben deshalb zentrale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungsweg.
Kluge Kinder im Mittelpunkt
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass mit dem Grundschullehramtsstudium an der RWTH Aachen ein lange verfolgtes Ziel erreicht worden ist. Nun gilt es, den erfolgreichen Start konsequent weiterzuentwickeln, die Lehrkräfteausbildung weiter zu stärken und Schule, Hochschule sowie Praxis noch enger miteinander zu vernetzen.
Denn starke Grundschulen bilden das Fundament unseres Bildungssystems. Wer Kindern die bestmöglichen Chancen eröffnen will, braucht hervorragende Lehrkräfte, eine praxisnahe Ausbildung und den Mut, jedes Talent zu entdecken und zu fördern. Denn kluge Kinder brauchen die besten Lehrkräfte.



